Oder: Das Making-of der Tex­te­rei Hameln, Teil 5 

Erst ein­mal ein gesun­des, fröh­li­ches, erfolg­rei­ches und glück­li­ches neu­es Jahr, in dem alle Ihre Wün­sche und Träu­me in Erfül­lung gehen. Und jetzt mal But­ter bei die Fische … Ich habe schon seit gerau­mer Zeit ein kla­res Ziel vor Augen: Ich möch­te mich selbst­stän­dig machen, um selbst­be­stimm­ter arbei­ten zu kön­nen, mehr Zeit für mei­ne Kin­der zu haben und Fami­lie und Beruf bes­ser unter einen Hut zu bekom­men. Wenn da nicht die­se Stim­me im Kopf wäre, die stän­dig plärrt: „Was ist denn, wenn es nicht klappt? Was ist denn, wenn du kein Geld ver­dienst? Und was ist, wenn Fami­lie und Beruf nie unter einen Hut zu bekom­men sind?“ In die­sem Bei­trag gebe ich fünf wich­ti­ge Tipps, die mir auf mei­nem Weg in die Selbst­stän­dig­keit gehol­fen haben. Zudem beschrei­be ich, was mir dar­über hin­aus auch noch gehol­fen hat.

Plan B: Neben­be­ruf­lich selbst­stän­dig machen

Da die Stim­me ziem­lich laut ist, leb­te ich bis vor Kur­zem für eini­ge Zeit Plan B aus. Die­ser beinhal­te­te, dass ich mich neben mei­nem Teil­zeit­job in der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on selbst­stän­dig machen möch­te. Von Anfang an habe ich die­se neben­be­ruf­li­che Tätig­keit beim Arbeit­ge­ber ange­ge­ben, um mich dahin­ge­hend abzu­si­chern. Und selbst­ver­ständ­lich wuss­te auch das Finanz­amt von mei­ner Neben­tä­tig­keit als Tex­ter.

Vor­tei­le der neben­be­ruf­li­chen Selbst­stän­dig­keit:

  • ein net­ter Neben­ver­dienst,
  • Sicher­heit über das gere­gel­te Ein­kom­men,
  • ein klei­ne­res Risi­ko für den wei­te­ren Weg in die Selbst­stän­dig­keit
  • eine gute Vor­be­rei­tung für die Selbst­stän­dig­keit,
  • ein klei­nes biss­chen Selbst­ver­wirk­li­chung,
  • Mög­lich­keit zum Aus­pro­bie­ren und Erfah­run­gen sam­meln,
  • ein Weg um Kun­den zu gewin­nen.

Nach­tei­le der neben­be­ruf­li­chen Selbst­stän­dig­keit:

  • wenig Zeit, da Fami­lie und Haupt­be­ruf ihren Platz for­dern,
  • wenig Spiel­raum auf­grund der feh­len­den Zeit,
  • eine gro­ße psy­chi­sche Belas­tung,
  • so rich­tig werb­lich kann es noch nicht zuge­hen, da es „nur“ ein Neben­er­werb ist,
  • die Wün­sche der Kun­den kön­nen nicht immer voll­um­fäng­lich bedient wer­den,
  • je nach Neben­er­werb viel Ren­ne­rei für die Anmel­dung.

Wenn Plan B nicht funk­tio­niert

Plan B klapp­te bei mir aller­dings nur so semi-gut. Natür­lich woll­te ich mei­nen Haupt-Job nicht ver­nach­läs­si­gen. Ich woll­te aber auch der Fami­lie gerecht wer­den und ganz neben­bei mein eige­nes Unter­neh­men ver­wirk­li­chen. Sie mer­ken sicher­lich auch … das ist schwie­rig. Die Nach­tei­le der neben­be­ruf­li­chen Selbst­stän­dig­keit über­wo­gen deut­lich. Es war für eine gewis­se Zeit in Ord­nung, die­sen Weg zu gehen.

Doch eigent­lich habe ich mir über eine lan­ge Zeit selbst etwas vor gemacht. Ich war unglück­lich in mei­nem Haupt­be­ruf – oder viel­mehr mit einem viel zu gro­ßen Arbeits­auf­kom­men. Als Teil­zeit­kraft war das nicht zu schaf­fen. Ande­re Unter­neh­men habe für die­se Mas­se an Tätig­kei­ten meh­re­re Mit­ar­bei­ter – doch ich habe vie­les allei­ne gewuppt. Alles auf Kos­ten mei­ner Gesund­heit und mei­ner Fami­lie.

Die Ent­schei­dung ist gefal­len: Ich mache mich selbst­stän­dig!

Irgend­wann ging gar nichts mehr. Stän­di­ge Heul­at­ta­cken im Wech­sel mit Wut­an­fäl­len oder völ­li­ger Apa­thie und Kraft­lo­sig­keit haben deut­lich gezeigt, dass es Zeit ist, Hil­fe in Anspruch zu neh­men. Mein Mann stand stets an mei­ner Sei­te und sag­te: „Sei end­lich wie­der du selbst! Ich unter­stüt­ze dich dabei.“ Doch den letz­ten Schritt, eine Ent­schei­dung zu tref­fen, konn­te mir nie­mand abneh­men. Mal geht es schnel­ler und mal – wie bei mir – dau­ert es län­ger … aber irgend­wann weiß man, was gut für einen ist.

An die­sem Punkt half mir auch eine tol­le Psy­cho­the­ra­peu­tin auf die Sprün­ge. Ihre Wor­te: „Sie eiern nun schon so lan­ge rum … tun Sie end­lich etwas, sonst fal­len Sie um.“ sind mir noch sehr prä­sent. Mitt­ler­wei­le möch­te ich nur noch selbst­be­stimmt arbei­ten. Ich möch­te für mich und für mei­ne Fami­lie da sein und genau die Arbeit machen, die mir Spaß macht und die ich kann. Mehr dazu unter dem Punkt Leis­tun­gen.

 Der Weg in die Selbst­stän­dig­keit: Was gibt es zu beach­ten?

Nun bin ich soweit und tren­ne mich von mei­nem Arbeit­ge­ber. Toll … ich bin stolz auf mei­ne Ent­schei­dungs­freu­dig­keit nach unge­fähr drei Jah­ren. Jetzt wird es aber erst so rich­tig kom­pli­ziert: Wie gehe ich bei der Kün­di­gung vor, wenn ich eine ein­ver­nehm­li­che Tren­nung schaf­fen möch­te? Mel­de ich mich dann als Arbeits­su­chend bei der Agen­tur für Arbeit, stel­le ich einen För­der­an­trag, um den Start in die Selbst­stän­dig­keit finan­zie­ren zu kön­nen oder fal­le ich bes­ser ein­fach in eine Schock­star­re? Wie muss ich mich über­haupt ver­si­chern? Fra­gen über Fra­gen … aber immer lang­sam: Ein Schritt nach dem ande­ren.

5 Tipps zum The­ma selbst­stän­dig machen

- Schritt 1: Ent­schei­dung tref­fen

Der ers­te Schritt ist auf jeden Fall schon mal, eine Ent­schei­dung zu tref­fen, wenn Sie sich selbst­stän­dig machen wol­len. Haben Sie dies bereits getan? Herz­li­chen Glück­wunsch … Sie sind groß­ar­tig. Wei­ter so.

- Schritt 2: das Grund­ge­rüst

Ent­wer­fen Sie einen Plan für sich. Mit was möch­ten Sie sich selbst­stän­dig machen? Dazu gehört unter ande­rem: die Geschäfts­idee, ein Busi­ness­plan, ein Finanz­plan, Mar­ken­rech­te, Stand­ort und Geneh­mi­gun­gen. Erkun­di­gen Sie sich, bei wel­chen Behör­den Sie sich für Ihre Selbst­stän­dig­keit und die von Ihnen gewähl­te Rechts­form mel­den müs­sen. Sie kön­nen sich auch pro­fes­sio­nell zum The­ma coa­chen und bera­ten las­sen.

- Schritt 3: Behör­den­gän­ge

Mel­den Sie sich – wie in mei­nem Fall – arbeits­su­chend bezie­hungs­wei­se arbeits­los. Wenn Sie aus der Arbeits­lo­sig­keit her­aus grün­den wol­len, mel­den Sie sich bei der Agen­tur für Arbeit als arbeits­su­chend. Sie kön­nen nun unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen einen Grün­der­zu­schuss bean­tra­gen. Das erleich­tert den Start in die Selbst­stän­dig­keit dahin­ge­hend, dass zumin­dest Ver­si­che­run­gen finan­zi­ell abge­deckt wer­den kön­nen.

- Schritt 4: Kun­den­ak­qui­se

Die­ser Punkt ist für mich der schwers­te. Aber es hilft ja alles nichts: Ohne Kun­den kei­ne Auf­trä­ge und ohne Auf­trä­ge kein Geld. Zu die­sem Punkt gehört aber auch, dass Sie sich je nach Gewer­be, Ihre eige­ne Cor­po­ra­te Iden­ti­ty schaf­fen. Es ist nicht nur wich­tig, was sie tun, son­dern auch wie sie es ver­mark­ten. Schaf­fen Sie sich eine eige­ne beruf­li­che Per­sön­lich­keit mit eige­nem Logo, Visi­ten­kar­ten, Web­site und allem, was dazu gehört.

- Schritt 5: Ein­fach. Machen

Das ist eigent­lich mein Lieb­lings­schritt und gleich­zei­tig stellt es mein Mot­to dar. Da man zwar vie­les gut pla­nen kann, aber eini­ges eben auch nicht, heißt die Devi­se: Ein­fach anfan­gen und machen. Steht der Plan, die finan­zi­el­le Lage ist abge­checkt und Sie sind bereit? Wor­auf war­ten Sie dann noch? Legen Sie los, sei­en Sie mutig und haben Sie Freu­de an Ihrer Arbeit. Selbst, wenn Sie noch kei­ne spe­zi­el­le Nische für Ihr Ange­bot oder Ihr Pro­dukt gefun­den haben: Bie­ten Sie Ihren Kun­den einen ganz eige­nen Mehr­wert. Sei­en Sie zuver­läs­sig und lie­fern Sie gute Arbeit. Das spricht sich rum.

Soft Skills: Was mir auch noch auf dem Weg in die Selbst­stän­dig­keit gehol­fen hat

Ent­we­der man zögert den Sprung ins kal­te Was­ser hin­aus. Oder man han­delt getreu dem Mot­to: Ein­fach machen! Nach­dem ich immer wie­der alle mög­li­chen Kom­po­nen­ten gegen­über gestellt habe, war der Zeit­punkt gekom­men, etwas Neu­es zu begin­nen.

Lan­ge Zeit habe ich gezö­gert. Immer wie­der schwank­te ich zwi­schen dem Sicher­heits­fak­tor „Fes­ter Job = regel­mä­ßi­ges Gehalt“ und dem Unsi­cher­heits­fak­tor „Selbst­stän­dig­keit = kein gere­gel­tes Ein­kom­men“. Doch bereits abends habe ich zu Hau­se geses­sen und war tot­un­glück­lich, weil ich am nächs­ten Mor­gen wie­der zur Arbeit muss­te. Wenn ich nur an die vie­len Auf­ga­ben gedacht habe, wur­de der Druck in mir uner­träg­lich. Ich war schlicht und ergrei­fend völ­lig ver­zwei­felt.

Die­ses Gefühl, die­ses nicht wirk­lich greif- oder beschreib­ba­re Argu­ment – ich nen­ne es mal Soft Skill, hat letzt­end­lich dazu geführt, dass ich immer mehr an mein Vor­ha­ben geglaubt habe.

Job an den Nagel hän­gen? Hören Sie auf Ihr Bau­ge­fühl

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt (oder nen­nen wir es wie­der Soft Skill) war für mich, dass ich auf mein Bauch­ge­fühl gehört habe. Nach­dem ich die Ent­schei­dung getrof­fen hat­te, dass ich mei­ne haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit nicht mehr aus­üben möch­te, stand die nächs­te Hür­de auf dem Plan: Gesprä­che füh­ren. Da mir mein neu­er Chef oder das Unter­neh­men ja prin­zi­pi­ell nichts Böses getan hat­te, kam für mich eine schrift­li­che Kün­di­gung per Ein­schrei­ben nicht in Fra­ge. Ich woll­te zudem erklä­ren, war­um ich den Job nicht mehr machen konn­te. Zu vie­le Auf­ga­ben, zu wenig Zeit, mei­ne Fami­lie … all das waren Argu­men­te, die ich dem Chef begreif­lich machen woll­te. Zudem habe ich ihm unter ande­rem mit mei­ner per­spek­ti­vi­schen Selbst­stän­dig­keit auch einen mög­li­chen wei­te­ren gemein­sa­men Weg offen­bart. Das Ergeb­nis: Es war gut, dass ich mei­nem Gefühl gefolgt bin und wir gere­det haben. Wir hat­ten ein wirk­lich gutes Gespräch auf Augen­hö­he, bei dem eine fai­re Lösung für bei­de Sei­ten her­aus­ge­kom­men ist.

Was ich mit die­sem Punkt sagen möch­te: Hören Sie auf Ihr Bauch­ge­fühl. Natür­lich sagt der Kopf auch oft schlaue Din­ge. Aber wenn Sie sich mit etwas nicht wohl­füh­len, spricht der Bauch zu Ihnen. Pro­bie­ren Sie das mal aus – viel­leicht erst ein­mal mit etwas weni­ger fol­gen­schwe­ren Ent­schei­dun­gen. Meis­tens fühlt es sich wirk­lich gut an. Und zudem haben Sie bei einem Ent­schei­dungs­pro­zess oft­mals vor­ab schon die meis­te Arbeit im Kopf erle­digt und die fünf Tipps berück­sich­tigt, sodass das letz­te Züng­lein an der Waa­ge sowie­so das Gefühl ist.